Montag, 26. Januar 2015

Buchgedanken: Neues Bewertungssystem und Gedanken zu Rezensionen im Allgemeinen

Ich habe mich (mal wieder) für ein neues Bewertungssystem, beziehungsweise eine neue Kenntlichmachung entschieden. Dies ist nun die Nummer 3 im Bunde. Kann sie sich nicht für eins entscheiden?, fragt ihr euch vielleicht. Oder ob ich andauernd etwas Neues brauche. Beides könnte hinkommen, ist aber nicht der Grund für die Veränderung.
Bei den vielen Möglichkeiten, Bücher zu bewerten, fällt es mir tatsächlich schwer, mich für eine Möglichkeit zu entscheiden und ich probiere daher auch gerne Neues aus. Der Grund, aus dem ich mich aber für eine Änderung meines bisherigen Bewertungsschemas entschieden habe, ist der, dass ich mir in letzter Zeit nicht mehr sicher war, wie ich die Bücher bewerten soll. Ich habe ja nur ganze Herzen vergeben und wenn ein Buch für mich zwischen zwei Herzen lag, dann fiel es mir schwer mich für eine Richtung zu entscheiden. Sollte ich das Buch jetzt besser bewerten oder lieber ein Herz schlechter? Und was sagt es eigentlich aus, wenn jedes Buch 4 Herzen bekommt? Kann man meine Bewertungen dann noch ernst nehmen? Und was ist mit der Durchschnittbewertung von 3 Herzen? Ist ein Buch, das 3 Herzen bekommt, ein gutes oder ein schlechtes Buch? Mir wurde klar, es musste sich etwas ändern, ich brauchte ein klareres Bewertungsschema mit mehr Kriterien anhand derer ich entscheide, welches Buch welche Bewertung bekommt und nicht mehr so sehr spontan aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Dann könnte ich auch dazu übergehen, die Bücher mit "Hat mir überhaupt nicht gefallen", "Hat mir nicht gefallen", "Hat mir ganz gut gefallen", "Hat mir gut gefallen" und "Hat mir sehr gut gefallen" zu bewerten. Ein wenig hiervon wird sich sicherlich im neuen System wiederfinden, aber dazu gleich mehr.

Amelie hat es in ihrem Post zu Tanjas bookischem Jahresrückblick 2014 sehr schön gesagt: Eine drei Sterne Rezension ist im Grunde genommen weder gut noch schlecht, es gibt drei Sterne Rezensionen, bei denen die Bücher den Rezensenten gut gefallen haben oder aber auch nicht. Daran ist ja auch nichts Verwerfliches. Sie hat auch gesagt, dass sie findet, dass sie selber die Möglichkeiten der Bewertung nach unten nicht genug ausnutzt, was ich auch bei mir festgestellt habe. Und Amelie sagt auch, dass sie Empfehlungen von Leuten, von denen Bücher generell 5 Sterne bekommen, nicht mehr wirklich ernst nehmen kann. Das wiederrum finde ich schade und auch schwierig, denn jeder Mensch hat seinen eigenen Geschmack, was der eine als "Schrott" empfindet, findet ein anderer wiederrum ganz, ganz klasse. Wobei ich Amelie natürlich verstehen kann, wenn es nie eine Bewertung unter 5 Sternen von dieser Person gibt. Aber auch ich habe im vergangenen Jahr viele Bücher mit 4 oder 5 Herzen bewertet und bin selten unter 3 gegangen. Warum? Nicht, weil ich mich scheue, mich gegen den Mainstream zu stellen, wie gesagt, ich finde, dass Bewertungen, auch wenn man Kriterien hat mit denen man arbeitet, immer noch subjektiv sind. Ein Beispiel: Dem Einen gefällt die Art schwarzer Humor in einem Buch, der andere kann darüber übrhaupt nicht lachen. Diese Leute werden in diesem Punkt zu unterschiedlichen Bewertungen kommen. Ist ja auch nicht schlimm. Aber hier zeigt sich, dass man nicht wirklich professionell-objektiv bewerten kann. Ich finde es auch gerade bei gehypten Büchern schwierig, denn einerseits verliert man an Glaubwürdigkeit, wenn man "zu gut" bewertet, andererseits fragen sich die Leute aber auch, ob man einen Knacks in der Birne hat, wenn einem ein bestimmtes Buch nicht gefallen hat. Und das kann es ja nun auch nicht sein, oder?
Ich habe beispielsweise im letzten Jahr an Lisas LETS READ IT IN ENGLISH Challenge teilgenommen und im Verlauf dieses Jahres viele Bücher gelesen, die so gut waren, dass sie diese hohe Bewertung auch verdient haben. Niemand sollte und wird anfangen, "schlechte" Bücher zu lesen, nur damit die Bewertungsstatistiken anders aussehen oder absichtlich ein Buch schlechter bewerten, weil es ja sonst "komisch" aussieht. Man sollte immer ehrlich rezensieren und hervorheben, was einem gefallen hat und was nicht, damit die Bewertungen nachvollziehbar bleiben und so kann sich jeder Leser auch ein Bild und eine eigene Meinung anhand der Rezension machen. Beispiel wie vorhin, ein Rezensent mag keinen schwarzen Humor und sagt, dass ihm das Buch deshalb nicht gefallen hat, weil es voll davon war. Leser A denkt sich aber "Oh, toll, ich LIEBE schwarzen Humor", dieses Buch werde ich mir mal anschauen, obwohl Rezensent B ihm 2 Sterne gegeben hat."

Ich persönliche finde es immer noch schwer, Rezensionen zu schreiben. Vielleicht schlampe ich deswegen damit so herum. (Tolle Voraussetzung für einen Buchblog. Nicht. -.-) Entweder komme ich mir nicht kritisch genug vor oder zu kritisch. Ich möchte kein Buch in den Himmel loben, das es nicht verdient hat, in den himmel gelobt zu werden, ich möchte aber auch kein Buch zerreißen, das dies ebenso wenig verdient hat. Wie also handeln? Die Mitte wählen und mit 3 was-auch-immers neutral bewerten? Riskieren, mit der Bewertung daneben zu greifen und einem Buch auf die ein oder andere Weise damit nicht gerecht zu werden? Gar keine punktemäßige Abschlussbewertung abgeben, sondern nur meine Meinung und ein zusammenfassendes Fazit schreiben? Da fällt es mir schon schwer mich zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt ich rezensieren will. Direkt, nachdem ich das Buch gelesen habe und alle Eindrücke noch frisch sind? Ein paar Tage nach dem Lesen, um die Eindrücke zu verarbeiten und etwas Abstand zu gewinnen, um besser bewerten zu können? Dabei ist es mir allerdings schon zu oft passiert, dass ich dann zu lange gewartet habe und nicht mehr genug Eindrücke im Kopf hatte. Schlussendlich habe ich mich dazu entschieden, meine Eindrücke entweder schon während des Lesens oder direkt danach festzuhalten und dann ein paar Tage verstreichen zu lassen, um dann zu diesen Eindrücken zurückzukehren und die Rezension zu schreiben. Vielleicht sehe ich das, was mir vorher gefallen hat, jetzt kritischer oder einen anderen Punkt weniger dramatisch als zuvor. Und ich halte mich von anderen Rezensionen zu dem Buch fern, damit es immer noch MEINE Meinung bleibt und ich nicht denke "XY hat das Buch aber so bewertet und er/sie rezensiert schon so lange Bücher auf seinem/ihren Blog und den find ich richtig toll und seine/ihre Rezis sind echt hilfreich, ist meine Bewertung also "falsch"?" Erst, nachdem ich meine Rezension geschrieben habe und veröffentlicht habe, darf ich auf Blogstalkingtour gehen. Dann kann man sich auch gleich viel besser mit den anderen Bloggern austauschen. ;-)
Was mir noch relativ schwer fällt ist das Spoilern. Wenn ich ein Buch so gern mag, dass ich es am liebsten gleich noch einmal lesen würde, würde ich gerne ALLES darüber mit euch teilen. Da muss ich mich ganz schön zügeln. Aber noch schwerer ist es für mich, meine Meinung so auszuführen, ohne zu viel von der Geschichte zu verraten oder so nebulös zu klingen, dass die Begründung, warum mir dies oder jenes gefallen/nicht gefallen hat, nicht mehr verständlich ist. Aber das ist sicherlich und hoffentlich etwas, was man üben muss und lernen kann.

Was heißt das für mich, meine Rezensionen und mein Bewertungssystem?
Zunächst einmal: Ich sollte, nein ich MUSS mehr Rezensionen schreiben. Im letzten Jahr gab es ja lediglich die Bewertung hinter dem Buch auf der Challengeseite, aber eben keine genauere Begründung. 
Das führt mich zu Schritt zwei: In den Rezensionen werde ich genauer ausführen, was mich zu dieser Bewertung geführt hat, was mir also gefallen hat und was nicht. Die Schwierigkeit dürfte allerdings darin bestehen, dabei nicht zu viel von der eigentlichen Geschichte zu verraten. 
Schritt 3: Ich überlege mir Kriterien, anhand derer es mir leichter fällt (oder zumindest fallen sollte) die Bücher den entsprechenden Bewertungen zuzuordnen, quasi eine Art Checkliste. 
Nr. 4: Ich verabschiede mich von den ganzen Herzen. Es wird jetzt keine halben dazu geben, damit ich auch mal 3,5 Sterne vergeben kann, nope. Es wird ein Bewertungssystem geben, dass 1-2, 3 und 4-5 Herzen/Sternen entspricht. Damit bin ich fein raus, wenn ich mich nicht genau entscheiden kann, jahaha. ;-) Dazu habe ich mir diese lustigen Smileys ausgedacht und erstellt. Habt bitte Erbamen mit meinen bescheidenen Künsten. 
Vorletzter Schritt: Die Kriterien aufstellen und zuordnen.
Abschluss: Das System einführen und umsetzen. Und das wird auch schon mit der nächsten Rezension geschehen.

Das neue Bewertungsschema and its representatives:
(Die Kriterien werden nicht unter den Rezensionen zu finden sein, für eine ausführlichere Darstellung, falls dies in der Rezension noch nicht klar genug geworden sein sollte, ist dann auf der Seite mit dem Bewertungssystem zu finden.)
Punkte wie "andauernde Wiederholungen" sind auch Gründe, warum "Punkte abgezogen" wurden und ein Buch keine "bessere" Bewertung erhalten hat.

Nr. 1: "ED"für 1-2 Herzen/Sterne:
- Logikfehler (Geschehnisse im Buch widersprechen den zuvor von der Autorin/dem Autor aufgestellten Gesetzmäßigkeiten)
- unglaubwürdige Charaktere oder Charaktere, mit denen ich aus diversen Gründen (genauer dann in der Rezension zu klären) nicht warm wurde
- Handlung/Charaktere entwickelt/entwickeln sich in einem unglaubwürdigen Tempo (z.B. im ersten Kapitel "Loser", drei Seiten weiter "Coolster Typ der Schule)
- andauernde, unnötige Wiederholungen
- Buch abgebrochen oder Buch nur zuende gelesen, weil die Hoffnung, dass es besser wird, zuletzt stirbt - ups, tot. -.-
Und das ist Ed:


Nr. 2: "VINCE" für 3
- Der Funke ist nicht übergesprungen, sprich, etwas fehlte oder etwas war einfach zu viel vorhanden (z.B. wenn es eigentlich um Kämpfe geht, die Liebesgeschichte aber mal ganz penetrant in den Vordergrund gerückt wird)
- Diese Bewertung ist eigentlich weder gut, noch schlecht und kann sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung gehen. Das sollte dann in der Rezension genauer zum Tragen kommen.
- enthält einige Kriterien aus der vorherigen Bewertung, die aber nicht so stark oder dramatisch ausfallen, wie bei Nr. 1
- An einer/mehrerer Stellen im Buch habe ich unendlich lange gebraucht, um weiterzukommen, obwohl die anderen Teile schnell durchgelesen wurden.
Und das ist Vince:


Nr. 3: "LILO"für 4-5
- Spannung
- Action
- Humor/unterhaltsam
- fesselnd (ab einem bestimmten Punkt oder durchgehend nicht nur spannend, sondern schlichtweg nicht mehr möglich, das Buch aus der Hand zu legen)
- Dieses Buch hat Lieblingsbuchpotential/gehört nun zu meinen Lieblingsbüchern!
- Ich würde dieses Buch am liebsten gleich noch einmal lesen!
- gut ausgearbeitete Charaktere (Entwicklung passt zum Charakter und das Tempo der Entwicklung entspricht dem Protagonisten und/oder der Handlung und den Umständen und Situationen, in denen sich die Figur wiederfindet)
- Die Geschichte ist logisch (folgt den für die Welt aufgestellten Gesetzen des Autors/der Autorin und widerspricht sich nicht mittendrin selbst)
Und das ist Lilo:


 


Was meint ihr dazu? Anregungen und konstruktive Kritik werden gerne entgegen genommen. :)
Ich denke und hoffe, dass ich mit diesem System noch ein wenig genauer und kritischer an meinen Lesestoff herangehe und die Bewertungen durchschaubarer und nachvollziehbarer werden und ich auch nicht mehr so sehr zwischen den Bewertungsleveln schwanke.

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