Montag, 4. April 2016

Rezension: WINTER von Marissa Meyer

Infos

4. und letzter Band der LUNAR CHRONIKEN von Marissa Meyer, bereits vollständig auf Englisch und Deutsch erschienen.


Inhalt

Das kann Königin Levana, Herrscherin des Mondes, nicht dulden: Ihre Stieftochter, Prinzessin Winter, wird täglich schöner und ihr Zauber immer mächtiger! Wütend zwingt die böse Königin sie dazu, sich das Gesicht mit Schnitten zu verunstalten - doch die Narben können Winters Schönheit nichts anhaben. Schließlich versucht Levana sogar, sie umbringen zu lassen. Da fasst Winter einen verzweifelten Plan: Sie muss die rechtmäßige Thronfolgerin Selene finden, um gemeinsam mit ihr die böse Königin zu stürzen ...

Unqualifizierter Zwischenkommentar

DAS, ihr lieben Leserinnen und Leser, klingt nach viel mehr Aktivität von Winters Seite aus, als es eigentlich der Fall ist. Winter wird viel mehr in alles hineingeworfen und wenn sie schon mal dabei ist, ja, dann möchte sie sich ihrer totgeglaubten Kusine und Freundin Selene natürlich gerne anschließen, um Levana zu stürzen, aber erst dann kommt der Moment, an dem sich bei Winter der Schalter umlegt und sie selbst das Zepter in die Hand nimmt und etwas für die Rebellion tut. Abgesehen davon wird Winters Zauber überhaupt nicht "immer mächtiger", weil sie ihn gar nicht erst einsetzt, weil sie der einzige Lunar auf Luna ist, der weiß, dass es falsch ist andere zu manipulieren, selbst dann, wenn man es aus guter Absicht heraus tut und überhaupt nicht eigennützig oder sadistisch ist. Soviel dazu.
 

Meine Meinung

Wo soll ich nur anfangen? Ich bin zugegebenermaßen enttäuscht vom Finale der LUNAR-CHRONIKEN. Das Buch ist mit seinen mehr als 800 Seiten ein ganz schöner Brocken, aber nicht die Länge war es, die mir das Buch langatmig hat erscheinen lassen. Mir war das Tempo zu langsam, das Geschehen zu kleingeistig und entsprechend mit zu viel hin und her und zu vielem „Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück“. 
Levana hat mir in diesem Band überhaupt nicht gefallen. Bisher wurde sie immer als der große gefährliche Antagonist dargestellt, in diesem Band ist sie aber der pathetic psycho, der sich hinter Gift, Viren und menschlichen Schutzschilden versteckt. Zwar zeigt sich in diesem Band, wie gestört die Königin und böse Stiefmutter ist, mächtig und brandgefährlich sehen allerdings anders aus.
Kommen wir zu Winter und Jacin. Ein nettes Pärchen, Sandkastenfreunde sogar, doch durch die 8-11 Perspektiven im Buch und die Fülle an Ereignissen bleiben sie im Gegensatz zu Cinder und Kai, Scarlet und Wolf und Cress und Thorne, die ihre Bände und Liebesgeschichten kaum mit anderen Charakteren teilen mussten, leider recht farblos und nicht so greifbar wie die übrigen sechs. Und Iko. Vergessen wir nicht Iko, den Androiden, pardon, die Androidin, die mit ihrem „Ich bin schwer verletzt“, wenn ein paar ihrer Drähte durchtrennt wurden, einen gewissen Humor in den letzten Band der Reihe gebracht hat. 
Wenn wir schon bei den Charakteren sind, kommen wir zu Cinder. Cinder und ihrem Plan, einen ihr völlig unbekannten Planeten zu betreten und dort mal eben schnell das Kommando an sich zu reißen. Mit einer Hand voll Verbündeter, vollkommen ungewiss, ob sie weitere finden wird und vollkommen aufgeschmissen, wenn einer ihrer Kameraden ausfällt. Und viele (Teil-)Pläne waren einfach von Anfang an zum Scheitern verurteilt.„Kündigen wir unser Kommen doch groß an, damit Levana sich mit einer Horde Thaumaturgen, die zumindest einen wahnsinnig großen Teil unserer Armee in die Knie zwingen werden, bereit machen kann.“Klingt nach einem Plan, der üüüüüüüberhaupt nicht schiefgehen kann. *Sarkasmus oft* Aber noch unglaubwürdiger als diese jugendliche Naivität finde ich Lunars, die ihr einfach mal alles glauben ohne einen Beweis für ihre Behauptungen zu verlangen. Wtf!? Sind die so verzweifelt, dass sie jeden von der Straße Dahergelaufenen nehmen würden, ohne zu wissen, was die Person am Ende aus ihrer Regentschaft macht, nur um Levana Los zu werden?
Das große finale Battle ... Es war wirklich zum Haare raufen mit all den vertrackten Situationen, den Vorstößen und Rückschlägen und den dramatischen Verletzungen. Das war gut gemacht, aber auch wenn ich froh bin, dass uns unsere Charaktere erhalten geblieben sind, besonders Cress und Thorne, hat es mich doch nicht ganz zufrieden gestellt, dass niemand zumindest dramatische, alles verändernde Folgeschäden davongetragen hat.


Fazit 

WINTER war nicht das mich umlaufende fulminante Finale, das ich erwartet habe. Aber ich konnte auch dieses Mal mit den Charakteren mitfühlen, mitleiden, mitlachen. Meine Lieblingscharaktere Cress und Thorne haben wieder wunderschöne, herzerwärmende Momente bekommen, ich sage nur die Situation auf dem Krönungsball, als die eine Lunar sich wie Cress aussehen lässt ... Erst dachte ich „Oh mein Gott“ und war schockiert, aber dann habe ich weiter gelesen und dann dachte ich „Oh mein Gott“, aber diesmal auf verschmelzen Art und Weise. 

Die Parallelen zum Schneewittchen Märchen wirken in diesem Band ein wenig gezwungen und sind nicht so zahlreich vertreten wie bei den anderen drei Ladys. Das Aussehen Schneewittchens ist zum Beispiel nur teilweise übernommen worden, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, wenn denn eine Märchenadaption schreibt, dann doch bitte richtig abgelehnt. Wäre die Stelle mit dem Apfel nicht gewesen, wäre die Märchenvorlage wohl kaum zu erkennen gewesen. Zwar haben wir die böse Stiefmutter als Königin ihren Neid auf ihre Stieftochter und den von ihr in Auftrag gegebenen Mord sowie den mit einer tödlichen Krankheit vergifteten Apfel, aber Cress, Thorne, Scarlet, Wolf, Cinder, Kai und Iko als die sieben Zwerge anzusehen ist doch ein bisschen weit hergeholt. Und die Stelle, in der sie den Haushalt macht, lässt sich auch nicht sofort als aus dem Märchen entliehen erkennen. In diese Kategorie fällt auch ihre Liebe zu Tieren, die erweitert wird, zu sehen an ihrem „Zoo“ und ihrem zahmen Wolf Ryu.
Leider, leider, leider erhält WINTER von Marissa Meyer aufgrund aller hier von mir aufgezeigten Punkte nur eine mittelmäßige Bewertung. Von einem Abschlussband erwarte ich einfach, dass es ein fulminantes Finale ist, das mich schlichtweg aus den Socken haut und das hat WINTER nicht getan.

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